7 % MwSt reichen nicht – warum die Gastronomie jetzt eine Kampagne braucht
- Zeev Rosenberg
- 8. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

7 % Mehrwertsteuer auf Speisen. Ein politischer Erfolg, hart erkämpft von der Gastronomie und ihren Verbänden, allen voran dem Dehoga. Monate der Argumentation, der öffentlichen Präsenz, der gemeinsamen Linie. Das Ergebnis ist erreicht. Die erhoffte Wirkung bleibt jedoch aus. In vielen Restaurants stehen die Stühle weiterhin leer.
Dieses Bild zeigte zuletzt auch eine RBB-Sendung. Passanten wurden gefragt, wie oft sie heute noch ins Restaurant gehen. Die Antworten waren eindeutig: seltener, bewusster, zurückhaltender. Der Hauptgrund wurde immer wieder genannt – Essen gehen wird als teuer empfunden. Dieses Gefühl entscheidet, unabhängig davon, ob einzelne Betriebe Preise senken oder nicht.
Hier liegt der zentrale Konflikt. Politisch wurde gewonnen, kommunikativ kapituliert. Vor der Mehrwertsteuer-Entscheidung trat die Branche geschlossen, laut und sichtbar auf. Danach folgte Stille. Die Erwartung, der Markt werde den Rest von allein regeln, hat sich nicht erfüllt.
Zahlen der letzten Jahre bestätigen diese Entwicklung. Die Gastronomie kämpft weniger mit Qualität als mit Frequenz. Restaurantbesuche haben sich nicht auf Vor-Corona-Niveau stabilisiert, reale Umsätze stagnieren, spontane Besuche gehen zurück. Preise sind zu einem emotionalen Auslöser geworden – stärker als jede betriebswirtschaftliche Argumentation.Viele Betriebe werden 2026 nicht an Qualität oder Einsatz scheitern, sondern daran, dass Gäste ausbleiben.
Die Diskussion um Preise greift dabei zu kurz. Die Gastronomie braucht keine lauten Töne gegen Preissenkungen und keine neuen Rechtfertigungen. Entscheidend sind Vertrauen, Verlässlichkeit und das klare Signal an die Gäste, dass ihr Besuch willkommen ist. Wer Menschen zurück in Restaurants holen will, muss nicht zuerst über Rabatte sprechen, sondern über Haltung, Transparenz und Gastlichkeit.
Preispolitik bleibt unternehmerische Freiheit. Manche senken Preise, andere nicht. Beides ist legitim. Was jedoch fehlt, ist ein gemeinsames Signal an die Gäste. Lebensqualität, Genuss, Begegnung und Stadtkultur kommen im öffentlichen Bild der Gastronomie kaum noch vor. Übrig bleibt häufig nur die Rechnung.
Genau deshalb reicht die Mehrwertsteuersenkung allein nicht aus. Notwendig ist eine bundesweite, positive Gastro-Kampagne. Keine Rabatt-Schlacht, kein Jammern, keine Rechtfertigung. Sondern eine Einladung. Eine klare Erzählung, warum Restaurants Teil des Alltags, der Innenstädte und des sozialen Lebens sind.
Die Branche steht an einem Wendepunkt. Weiter hoffen oder wieder gestalten. Weiter abwarten oder sichtbar werden. Stimmung entsteht nicht von selbst. Sie entsteht durch Kommunikation.
Die entscheidende Frage lautet:Reichen 7 % Mehrwertsteuer – oder braucht die Gastronomie jetzt endlich eine gemeinsame Kampagne, die Gäste wirklich zurückholt?
Fazit
Die 7 % MwSt sind kein Endpunkt, sondern ein Startsignal. Ohne sichtbare, gemeinsame und positive Kommunikation bleibt der Effekt begrenzt. Wer jetzt nicht einlädt, darf sich über leere Stühle nicht wundern.



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