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Deutschland poliert die Lobby – und lässt das Dach tropfen

  • Autorenbild: Zeev Rosenberg
    Zeev Rosenberg
  • 23. Nov. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Deutschland verliert Zeit mit Nebensächlichkeiten – und wundert sich, warum nichts vorwärtsgeht.


Bild: KI - Deutschland poliert die Lobby – und lässt das Dach tropfen
Bild: KI - Deutschland poliert die Lobby – und lässt das Dach tropfen

Deutschland diskutiert über Kissenfarben, während das Dach tropft. Dieses Muster zieht sich durch Verwaltung, Politik und Arbeitsalltag: Nebenschauplätze bekommen Aufmerksamkeit, während die zentralen Aufgaben liegenbleiben.

Im täglichen Ablauf zeigt sich das deutlich. Eine Bemerkung eines Kollegen, ein Satz eines Politikers – und sofort drehen sich alle im Kreis. Viele reden, wenige handeln. Worte kosten nichts, Umsetzung kostet Mut und Energie.


Jeder kennt Situationen, in denen Lösungen längst auf dem Tisch liegen, aber erst ausführlich geklärt wird, wer was fühlen könnte, ob jemand betroffen sein könnte oder wer vorher eingeweiht werden muss. Das Ergebnis: Bewegung wird durch Befindlichkeiten ersetzt.


In der Politik läuft es ähnlich. Die Republik arbeitet sich an einer Merz-Aussage ab, obwohl laut Forschungsgruppe Wahlen 63 % der Deutschen seiner Aussage zum Stadtbild zustimmen. Der Mainstream inszeniert Empörung, während dringend notwendige Reformen unberührt bleiben. Digitalisierung, Infrastruktur, Bildung – Baustellen, die klare Entscheidungen brauchen, keine Talkshow-Runden.


Dazu kommt ein zweites Dauerthema: Bürokratie verhindert Fortschritt. Ein Flughafen braucht zehn bis fünfzehn Jahre Planung – geschweige denn bis zur Fertigstellung. Der BER liefert das Paradebeispiel: Bauzeit jenseits jedes Verständnisses und Kosten, die sich wie ein schlechter Witz lesen. Eine Brücke benötigt drei bis acht Jahre, in Berlin wurde eine an der Stadtautobahn abgerissen, die neue ist nicht einmal in Sicht. Und das Muster setzt sich fort: 2014 wurde das ICC wegen Asbest geschlossen. Bis heute keine Entscheidung, kein Konzept, keine Richtung. Drei Bürgermeister, null Lösungen – und Berlin verliert seinen Kongressstatus fast im Vorbeigehen.


Im Bauwesen wird es nicht besser. Hotels, Wohnhäuser, Gewerbeobjekte verteuern sich jährlich, weil Auflagen schneller wachsen als die Gebäude selbst. Manche Vorgaben wirken eher wie Beschäftigungstherapien ganzer Abteilungen. Denkmalgeschützte Objekte sind ein eigenes Kapitel – und oft der Moment, in dem jede Vision im Papierkrieg erstickt. Dazu kommt der Reflex, Gründe zu suchen, warum nicht gebaut werden darf: Umwelt, Lärm, Schattenwurf – oder die legendäre Froschfamilie, die angeblich seit Generationen dort wohnt.


Im Berufsalltag zeigt sich das gleiche Muster. Endlose Mails, weitergeleitete Messages, CC-Orgien – Kommunikation als Hindernislauf. Probleme könnten längst gelöst sein, doch stattdessen wird Verantwortung weitergereicht, als wäre sie ein heißer Ball. Statt direktem Gespräch folgt ein E-Mail-Ping-Pong, schneller im Weiterleiten als im Entscheiden.


Deutschland hat für alles ein Formular – nur nicht für Fortschritt. Das zeigt sich besonders beim Infrastrukturbau: Eine Brücke, die nach zehn Jahren Bauzeit immer noch ein Bauzaun ist. Ein Land, das große Projekte stemmen könnte, scheitert an Kleinigkeiten – langsam, frustrierend andauernd.


Fazit

Am Ende bleibt eine einfache Wahrheit: Ein Land, das sich in Details verliert, verliert am Ende den Anschluss. Fortschritt entsteht nicht durch Debatten, sondern durch Entscheidungen. Verantwortung bedeutet, Probleme anzupacken, statt sie weiterzureichen. Klarheit schlägt Empörung. Haltung schlägt Theater. Und Substanz schlägt Show – jeden Tag. Zeit, den Blick wieder auf das Wesentliche zu richten und endlich wieder zu handeln.


Frage an die Leser

Wo blockieren wir uns im täglichen Leben, im Job oder im Land noch selbst – und warum lassen wir es zu? Wie ist Euere Meinung zu diesem Thema generell?


 
 
 

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