7 % sind kein Geschenk – sie sind Verantwortung
- Zeev Rosenberg
- 21. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Warum die 7 % Mehrwertsteuer nur dann wirken, wenn die Branche Vertrauen zurückgewinnt.
Es ist endlich passiert. Die Hotellerie und die Gastronomie dürfen erleichtert aufatmen: Ab dem 1. Januar 2026 gilt dauerhaft der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7 % auf Speisen. Das ist mehr als ein Weihnachtsgeschenk, es ist ein wirtschaftliches Signal und eine dringend benötigte Perspektive für eine Branche, die seit Jahren unter permanent steigenden Kosten leidet. Lebensmittel, Energie und Löhne sind überdurchschnittlich gestiegen, oft schneller, als Preise am Markt angepasst werden konnten. Diese Entlastung hilft, genau diese Belastungen zumindest teilweise auszugleichen.
Ein großes Dankeschön geht an den DEHOGA Bundesverband, an seine Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges und an den Präsidenten Guido Zöllick. Kaum jemand hat sich über Jahre so beharrlich, faktenbasiert und konsequent für diese Reduktion eingesetzt. Bereits in der Corona-Zeit war der DEHOGA die treibende Kraft dafür, dass unsere Branche überhaupt überlebt hat. Rund 98 % der Hotel- und Gastronomiebetriebe erhielten Corona-Hilfen. Aus zentralen Förderprogrammen flossen insgesamt rund 11,2 Milliarden Euro, davon etwa 4,7 Milliarden Euro – also rund 40 bis 42 % – direkt in Hotellerie und Gastronomie. Diese Zahlen zeigen klar, wie systemrelevant unsere Branche ist und wie entscheidend diese Verbandsarbeit war.
Natürlich gab es auch Trittbrettfahrer. Laut, selbstverliebt, medienwirksam. Gruppierungen, die Erfolge für sich reklamierten, ohne sie je erkämpft zu haben. Am Ende haben einige mehr geschadet als geholfen, weil es weniger um die Branche ging als um das eigene Ego. Diese Gemengelage hat auch die Politik verunsichert, weil lange nicht klar war, wer tatsächlich für Hotellerie und Gastronomie spricht und wer lediglich Aufmerksamkeit sucht. Der Unterschied ist jedoch offensichtlich: Bei Ingrid Hartges und Guido Zöllick stand immer die Sache im Mittelpunkt, nicht die Selbstdarstellung. Am Ende hat sich gezeigt, wo Substanz liegt. Es war der DEHOGA Bundesverband, nicht die „Fabriken“ selbsternannter Branchenversteher, die glaubten zu wissen, was gebraucht wird, ohne die operative Realität der Betriebe zu kennen. Dort, wo nüchtern analysiert, hartnäckig verhandelt und realistisch angesetzt wurde, entstanden Lösungen – dort, wo Lautstärke und Ego dominierten, blieb es bei Aktionismus ohne Wirkung.
Mit den 7 % lässt sich nun wieder optimistischer nach vorne blicken. Betriebe können stabilisieren, investieren und Konzepte weiterentwickeln. Gleichzeitig darf nicht ignoriert werden, dass nicht nur Umsätze, sondern auch Gästezahlen zurückgegangen sind. Viele Menschen gehen seltener essen, sind preissensibler geworden und hinterfragen stärker, wofür sie ihr Geld ausgeben. Wenn diese Steuerentlastung einfach mitgenommen wird, ohne den Gästen zumindest teilweise etwas zurückzugeben, droht ein Imageproblem. Wir bekommen etwas, geben aber nichts zurück – dieses Bild wäre fatal. Gäste müssen spüren, dass sich etwas verändert: durch fairere Preise, bessere Qualität, klarere Angebote oder einfach durch das Gefühl, willkommen zu sein und ernst genommen zu werden.
Gefragt ist eine kluge Strategie. Die Mehrkosten der letzten Jahre müssen ausgeglichen werden, gleichzeitig braucht es ein sichtbares Signal an den Markt. Kaum jemand erwartet, dass die vollen 12 Prozentpunkte weitergegeben werden. Eine anteilige Entlastung, transparente Kommunikation oder spürbare Mehrwerte wären jedoch ein starkes Zeichen, um Vertrauen zurückzugewinnen. Wer jetzt nur rechnet, aber nicht denkt, verspielt langfristig mehr als kurzfristige Marge.
Die Branche hat in dieser Frage schon einmal Lehrgeld gezahlt. Nach der sogenannten Mövenpick-Affäre hatte die Gastronomie ein massives Imageproblem, politisch wurde vor allem die FDP abgestraft – obwohl sie lange als eine der wenigen Parteien galt, die sich klar für unsere Branche eingesetzt hat. Heute ist Dank angebracht bei CDU und CSU, die gemeinsam mit der SPD hartnäckig für diese Lösung gekämpft haben.
Da die Wirtschaft auch im kommenden Jahr keine Höhensprünge machen wird, braucht es einen vorausschauenden Blick darauf, wie verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden kann. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Restaurantbetriebe und Konzepte vom Markt verschwunden. Nicht aus Mangel an Ideen, sondern weil wirtschaftliche Realität und Konzept nicht zusammenpassten. Kreativität und Mut sind gefragt – aber beides reicht nicht, wenn am Ende kein Geld verdient wird. Gastronomie ist mehr als ein Marketing-Gag und mehr als kurzfristige Beliebtheit. Das haben inzwischen auch jene verstanden, die Innovation vor allem als Inszenierung betrieben haben. Gastronomie ist Berufung, ja – aber sie ist ebenso Unternehmertum. Am Ende des Tages muss sie Gewinn erwirtschaften, sonst verliert sie ihre Grundlage.
In Hotels lässt sich Gastronomie eine Zeit lang über den Logis-Bereich abfedern, doch auch dieses Modell hat klare Grenzen. Gleichzeitig brauchen auch Mitarbeitende wieder Planbarkeit, Stabilität und Perspektive – verlässliche Dienstpläne, faire Löhne und Konzepte, die Bestand haben. Deshalb braucht es Angebote, die zum Produkt passen, wirtschaftlich tragfähig sind und langfristig funktionieren. Viele Betriebe zeigen bereits, dass genau das möglich ist: Sie schauen nach vorne, verstehen den Markt, treffen mutige Entscheidungen und geben ihren eigenen Ideen Raum zur Entwicklung. Mut und Kreativität bleiben entscheidend, wenn Gäste wieder begeistert und nicht nur bedient werden sollen.
Dass selbst das Sterne-Restaurant-Segment derzeit nicht boomt und es auch dort zu Schließungen gekommen ist, zeigt deutlich: Kein Bereich der Gastronomie wird geschont. Umso wichtiger ist es, die Mehrwertsteuer-Reduktion nicht als Selbstzweck zu betrachten, sondern als Chance, sich neu aufzustellen – innovativer, kreativer und vor allem erfolgreicher.
Die Politik hat geliefert. Jetzt liegt es an der Branche, Verantwortung zu übernehmen und zu zeigen, dass diese Entlastung mehr ist als ein Rechentrick. Abschließend bleibt ein klares Dankeschön an den DEHOGA Bundesverband, an Ingrid Hartges und ihr Team sowie an Verbände wie die IHA und den BTW, die auch im Hintergrund mitgewirkt haben. Wenn wir diese Chance klug nutzen, kann aus den 7 % mehr werden als eine Steuererleichterung – nämlich ein Neustart für Vertrauen, Qualität und Zukunftsfähigkeit unserer Branche.
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Quellen: DEHOGA Bundesverband, Destatis, BMWK, ifo Institut, IHA, BTW, Guide Michelin, FAZ, Handelsblatt.









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